Pfingstbräute, Pfingstlümmel und der Heilige Geist
Pfingsten - der Name kommt aus dem Griechischen: pentekoste = der fünfzigste Tag nach Ostern; er feiert die Ausgiessung des Heiligen Geistes. Der Auftrag Christi an die Jünger, seine Lehre in alle Welt zu verbreiten, erlangt an diesem Tag Gesetzeskraft, die Kirche ist konstituiert - und könnte, unbelastet von allen heidnischen Vorgängerfesten, -göttern und -bräuchen, sich selber zur Ehre sein. Aber selbst der wortgewaltige Petrus konnte den "Heiligen Geist" nicht recht plausibel machen, und so kam das Christentum in die Verlegenheit, eines seiner ureigensten, spirituellsten Hochfeste durch ein handfestes Symbol untermauern zu müssen.
Taube auf dem Kirchendach
Die schwebende Taube, Verkörperung des unsichtbaren,
ungreifbaren Schöpfergeistes, hielt leibhaftig Einzug in die
Gotteshäuser. Das Auffahrtsloch, das an Christi Himmelfahrt dem
holzgeschnitzten Heiland diente, fungierte zu Pfingsten als
Heiliggeist-Loch. Zwischen Kirchendecke und Dachboden sassen
dieselben Helfer mit dem (meist rotgefärbten) Seil und liessen
zu den Klängen des Liedes: "Nun bitten wir den Heiligen Geist,
um rechten Glauben allermeist" eine hölzerne Taube in das
Kirchenschiff herabschweben. Das geschah sehr kunstreich, denn je
tiefer sie kam, desto weiter zog sie ihre Kreise. Die Gemeinde
empfing sie mit Weihrauch und Gebet, danach stieg sie wieder auf,
wobei ihre Schwingungen nach oben immer enger wurden, bis sie endlich
wieder in der Dachluke verschwand.
Natürlich ist viel von dieser Handlung weitgehend symbolisch zu verstehen. Doch im Gegensatz zu den Symbolen, die Sie während eines Spiels von Poker DE, oder solchen, die Sie auf einer Straßenkarte sehen könnten, haben die Symbole des Pfingstfest- Gedankens eine weit grössere spirituelle Bedeutung. Diese Symbole neigen auch dazu, etwas über die Erde und die Natur auszusagen.
Im Brauchtum begeht man Pfingsten vor allem als Feier zu Ehren der wiedererwachten Natur, der Sommer hat nun endgültig den Winter besiegt, denn das Datum des Festes liegt in jedem Fall immer nach den Eisheiligen. Den berühmtesten Pfingsthymnus schrieb Goethe als Eingangsverse zum Epos "Reineke Fuchs": "Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen; es grünten und blühten / Feld und Wald; auf Hügeln und Höh´n, in Büschen und Hecken, / Übten ein fröhliches Lied die neuermunterten Vögel; / Jede Wiese sprosste von Blumen in duftenden Gründen, / Festlich heiter glänzte der Himmel und farbig die Erde."
Tauben auf dem Mittagstisch
Häuser und Ställe werden mit Grün geschmückt, segenbringenden Zweigen, die keine Winterdämonen verscheuchen und Hexen mehr abweisen müssen, sondern nur Fruchtbarkeit und Glück verheissen.
Mancherorts trug das Fest den Charakter eines Geschenktags. ühnlich wie an Weihnachten erhielt das Gesinde Gaben und häufig auch Geld. Kindern schenkte man Pfingstwecken in Gestalt einer sitzenden Taube, und gebratene Tauben kamen als traditionelle Speise auf den Mittagstisch.
Das Vieh wird oft erst jetzt zum ersten Mal auf die Weide getrieben - das Tier, das den Zug anführt (manchmal auch: das letzte) ist besonders schön mit Blumenkrone, farbigen Bändern und Glocke geschmückt, daher die Redensart: "aufgeputzt wie ein Pfingstochse". Wer zuletzt zum Melken erscheint, hat den Hohn der Hüteknechte gut und trägt für den Rest des Tages den "Ehrentitel" Pfingstlümmel; ausserdem muss er die anderen, die pünktlich waren, freihalten. Mädchen, die sich verspäten, erhalten den Namen "Pfingstjungfer" oder "Pfingstbraut" und bekommen den Neckvers nachgerufen: "Pfingstbraut, du faule Haut! Wärst du eher aufgestanden, wärst du nicht in unseren Banden!"
(Zitiert aus dem Heyne-Ratgeber "Altes Brauchtum" von Marianne Bernhard)